Gestresste Deutsche – Studie der Techniker Krankenkasse

Gepostet am Okt 31, 2013 | Keine Kommentare

Nach einer neuen Studie der Techniker Krankenkasse leiden die Deutschen unter massivem Stress, davon besonders betroffen sind Frauen, Menschen zwischen 30 und 40 Jahren und tendenziell eher Personen in den südlicheren Bundesländern. Während der Beruf als Hauptquelle für Stress benannt wird, scheinen auch im Privaten zahlreiche Gründe für Stress zu existieren. Vor allem wurde aber auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als schwierig und daher Stress auslösend bezeichnet (siehe zum Beispiel http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/so-gestresst-sind-die-deutschen-umfrage-der-techniker-krankenkasse-a-930696.html).

Während der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nun Sanktionen für Arbeitgeber fordert, die sich dieser Thematik nicht genügend annehmen, betont die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) die positiven Effekte von Arbeit auf die menschliche Psyche und rät davon ab, Arbeitgeber noch stärker als bisher durch Vorschriften in die Pflicht zu nehmen.

Doch welche Fragen und Diskussionen sollten solche Ergebnisse eigentlich auslösen?  

Die positive psychologische Wirkung von Arbeit konnte in zahlreichen Studien vor allem an erwerbslosen Personen beeindruckend gezeigt werden. Die bekanntesten Untersuchungen dazu hat wohl Marie Jahoda geleitet. Doch was ist geschehen, wenn die Arbeit diesen Effekt offenbar nicht mehr erfüllt oder zumindest zusätzlich zu erheblichem negativen Stress führt? Die taz bemerkt, dass in manchen Fällen der Stress auch positiv sein kann, nämlich dann, wenn er zu Leistung und Engagement anspornt. „Wer seine Arbeit hingegen als reinen Broterwerb sieht, leidet eher unter gesundheitlichen Problemen.“ (http://www.taz.de/Studie-der-Techniker-Krankenkasse/!126505/) Ist es nicht das Erleben von Sinn, das Empfinden, dass die eigene Arbeit von Bedeutung ist, das hier den entscheidenden Unterschied leistet? Ist es nicht das Wissen, wozu man sich bemüht, und die Klarheit darüber, welchen Zweck das Tun hat, das uns in positiven Tatendrang versetzt, auch wenn der Weg manchmal mühsam ist? Ein Zitat von Nietzsche entspricht diesen Gedanken: „He, who has a why to live for, can bear almost any how“.

Darüber hinaus erstaunt die Feststellung, dass immer noch so viele Menschen Beruf von Privatem trennen. Diese künstliche, mit der Industrialisierung entstandene Grenze scheint uns einfach nicht gut zu tun. Während der Landwirt quasi an seiner Arbeitsstelle wohnt, nämlich auf dem Hof, und so die Übergänge zwischen Privatem und Beruf gezwungenermaßen fließend sind, meinen wir heute in vielen anderen Branchen, Arbeit wäre etwas, wo wir hingehen, nicht mehr etwas, das wir tun oder sind (dazu ausführlich z.B. Klotz, 2011, in Universitas). Die Klage über die Entgrenzung von Beruf und Arbeit ist daher, vor allem im Bereich der nicht industriellen Jobs verwirrend. Möglicherweise können hier neuere Arbeitszeitkonzepte und die sinnvolle Nutzung der Technik einen Beitrag dazu leisten, Arbeit und Privates miteinander zu verweben, es zu integrieren und so auch leichter handhabbar zu machen. Warum also nicht morgens vier bis fünf Stunden von zuhause oder im Büro arbeiten, während die Kinder in der Schule sind, dann gemeinsam Mittag essen, Freizeitaktivitäten nachgehen und sich abends noch einmal daran setzen? Wozu die starre 8 Stunden Anwesenheitsregel? Welcher Mensch kann sich schon mit nur einer größeren Pause 8 bis 9 Stunden am Stück konzentrieren und produktiv arbeiten? Vielleicht würden auch 6 Stunden ausreichen, um das Pensum des Tages zu erledigen, wenn individuell die eigenen leistungsfähigsten Momente genutzt werden könnten.

Was denken Sie?

Wie nehmen Sie Ihren Beruf war? Wo sind die großen Stressquellen Ihres Lebens? Und wie wollen Sie morgen arbeiten?

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